Höllgrotten Baar

GESCHICHTE

«Junge» Höhlen

Der Weg des Wassers vom Einsickerungsgebiet bis zur Gegend, wo die Höllgrotten entstanden.


Die Höllgrotten unterscheiden sich von allen anderen Tropfsteinhöhlen der Welt. Andere Grotten entstanden in massivem Felsuntergrund durch unterirdisch abfliessendes Wasser, was jeweils Millionen Jahre dauerte; die Höllgrotten hingegen bildeten sich an der Oberfläche in der vergleichsweise kurzen Zeit von rund 3000 Jahren und sie sind relativ «jung».


Vorhang zu!

Kalkreiches austretendes Wasser führte nach dem Ende der letzten Eiszeit zur Bildung eines Quelltuffbergs; in diesem entstanden die Höllgrotten.


Gletscherflüsse aus dem Ägerital bildeten nach dem Ende der letzten Eiszeit, vor rund 18000 Jahren, das Lorzentobel. Das Wasser, das im viereinhalb Kilometer bergaufwärts liegenden Moorgebiet Neugrund in Menzingen versickerte, löste auf seinem zehn Jahre dauernden unterirdischen Weg viel Kalk und trat an der Stelle, wo sich heute die Höllgrotten befinden, in grossen Quellen aus den Tobelflanken aus. Das oberflächlich abfliessende, kalkreiche Quellwasser setzte beim Austritt im Hangbereich grosse Mengen von Kalk ab und baute zwischen 8500 und 5500 Jahren vor heute einen riesigen, rund 30m hohen, 50m tiefen und 200m langen Quelltuffberg auf.

Wenn nämlich stark kalkhaltiges Quellwasser austritt, verkalken an der Oberfläche Moospölsterchen, Farne, Zweiglein, Blätter und Sand – Quelltuff entsteht, ein sogenannt sekundäres Gestein.

Der Tuffstock wuchs immer weiter ins Bett des Flüsschens Lorze hinaus, worauf die Lorze den Hang unterspülte. Es bildeten sich nischenartige Höhlungen und überhängende Partien. An einer Stelle kam es zum Einsturz, das herabsackende Gestein schloss im Bereich des heutigen Höhlenausgangs einen Hohlraum ein. Die restlichen Teile der Höhlen wurden allmählich eingeschlossen: Austretendes Quellwasser bildete Vorhänge aus Wurzeln und Moos, die rasch wuchsen und versteinerten. In den derart entstandenen Höhlen hinter dem Tuffvorhang kam es zur Tropfsteinbildung.


Entdeckt dank der Eisenbahn

Der einstige Steinbruch


Der im Lorzentobel abgelagerte Tuff, leicht und porös, liess sich gut schneiden und wurde im 19. Jahrhundert zu Bauzwecken abgebaut, etwa zur Auskleidung des Eisenbahntunnels bei Bonstetten im Knonaueramt. Im Zuge dieser Arbeiten wurde 1863 die erste Grotte entdeckt. Sie war wegen der unterirdischen Seen schwer zugänglich. Der Tuffabbau wurde glücklicherweise gestoppt, damit die Grotte erhalten blieb. 1885 ordnete der Sohn des Entdeckers, Ständerat Josef Leonz Schmid, den Bau eines Stollens an, um den Höhlensee in die Lorze zu entwässern. Seit 1887 sind die Höllgrotten öffentlich zugänglich; 1892 und 1902 wurden weitere Teile der Grotten entdeckt. Ständerat Schmid kaufte die angrenzenden Grundstücke, damit er 1903 sämtliche Höhlen zusammenführen und das Grottensystem für die Nachwelt erhalten konnte.


Im Jahr 1887 liessen sich die ersten Höhlentouristen in den Höllgrotten bezaubern, wie die historische Darstellung zeigt.


Im Jahr 1917 wurde zwischen der unteren und der rund 40 Meter weiter oben gelegenen Höhlengruppe ein künstlicher Verbindungsstollen geschaffen, sodass die gesamten Höllgrotten heute in einem Rundgang besichtigt werden können.

Seit Frühjahr 2012 werden die Grotten mit modernster LED-Technik neu beleuchtet. Dadurch wird die Formen- und Farbenvielfalt des Gesteins für die Besucherinnen und Besucher erstmals in allen Nuancen sichtbar.

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